Wahrscheinlich ja, sobald du selbst eine Rute in der Hand hältst. Gibraltars Marine Protection Regulations 2014, die Meeresschutzverordnung des Gebiets, sagen ausdrücklich, dass eine Class B permit ihren Inhaber und sonst niemanden berechtigt, in den British Gibraltar Territorial Waters (den Hoheitsgewässern Gibraltars) mit Rute oder Leine zu angeln. Die volle Class B bekommst du als Besucher nicht, weil dafür ein Wohnsitznachweis nötig ist. Was Besucher stattdessen bekommen, ist eine befristete Class B2 permit für das Angeln vom Boot aus, gültig für drei Monate. Der Skipper hat eine eigene Genehmigung als Charteranbieter, und in der Verordnung, so wie wir sie gelesen haben, steht nirgends, dass diese Genehmigung die Leute an Bord mit abdeckt. Am sichersten fragst du den Skipper deshalb schon bei der Buchung nach der B2, und nicht erst um sechs Uhr morgens am Steg.
Wir korrigieren uns hier selbst. In unserem früheren Beitrag darüber, was dich bei einer Angeltour in Gibraltar erwartet, stand, dass du als Gast beim Small Game keinerlei Papiere brauchst. Das hatten wir aus der Art abgeleitet, wie die Thunfischlizenz funktioniert, und es hat nicht gehalten, als wir die Verordnung selbst gelesen haben. In diesem Beitrag steht, was der Text sagt, wo er unklar bleibt und was du fragen solltest.
Was in den Marine Protection Regulations wirklich steht
Die Regeln stehen in den Marine Protection Regulations 2014 (Legal Notice 2014/180), veröffentlicht auf gibraltarlaws.gov.gi. Ausgestellt werden die Genehmigungen vom Department of the Environment, der Umweltbehörde der Regierung von Gibraltar. Wir haben die konsolidierte Fassung gelesen, die dort veröffentlicht ist und Änderungen bis 2019 enthält. Die Seite selbst kennzeichnet diese Fassung als nicht die neueste. Nimm das Folgende also als Erklärung, wie das System funktioniert, und prüfe die aktuellen Bedingungen auf der Genehmigung, die du bekommst.
Ausgangspunkt ist Regulation 3: Niemand darf im Meeresschutzgebiet ohne Erlaubnis ein Meerestier entnehmen. Regulation 15 regelt dann die Class B permit für das Freizeitangeln mit Rute und Leine und sagt klar, dass sie den Inhaber berechtigt und niemanden sonst. Eine volle Class B gibt es nur gegen Wohnsitznachweis. Wer nicht in Gibraltar wohnt, beantragt stattdessen eine befristete Genehmigung: B1 für das Angeln vom Ufer, 14 Tage gültig, oder B2 für das Angeln von einem Boot, drei Monate gültig.
Dazu kommt eine Obergrenze. An einem Tag dürfen nicht mehr als 20 befristete B1 und 20 befristete B2 im Umlauf sein. Im Winter spielt das kaum eine Rolle, an einem vollen Sommerwochenende ist es aber ein Grund mehr, die Genehmigung vor der Reise zu klären.
Deckt die Genehmigung des Charterboots dich mit ab?
Das fragt jeder, und die Verordnung beantwortet es nicht zugunsten des Gastes. Ein Charteranbieter hat eine Class E permit, die Regulation 24 als Genehmigung für einen Sportangelanbieter beschreibt, der einer anderen Person das Angeln von einem Boot erlaubt oder ermöglicht. Sie läuft bis zu 12 Monate und ist die Erlaubnis des Bootes, das Geschäft zu betreiben. Eine Stelle, die die Gäste dieses Anbieters von der eigenen Class B befreit, haben wir in der Verordnung nicht gefunden.
Die eine klare Ausnahme sind Kinder. Nach Regulation 17 wird jeder unter 14 Jahren so behandelt, als hätte er eine Class B permit. Ein Kind auf einem Familienausflug braucht also keine Genehmigung auf eigenen Namen.
Wie das im Alltag gehandhabt wird, weiß am besten der Skipper, denn ein Boot, das jede Woche rausfährt, hatte die Frage schon oft. Beide Reelzy-Boote in Gibraltar gehören demselben Anbieter, Blue Horizon, und legen an der Mid-Harbour Small Boats Marina ab, dem Kleinboothafen auf der Westseite des Felsens. Wenn du das Small-Game-Boot oder das Thunfisch-Boot buchst, schreib über das Inserat eine Nachricht und frag, ob jeder Erwachsene in eurer Gruppe eine befristete B2 braucht und wie Gäste sie normalerweise bekommen. Heißt die Antwort, dass das Boot sich darum kümmert, hast du mit der Frage nichts verloren. Heißt sie, dass du selbst beantragst, hast du noch Zeit dafür.
Was du mit einer befristeten Genehmigung behalten darfst
Die befristeten Genehmigungen haben eine Fangbegrenzung. Wer eine B1 oder B2 hat, darf höchstens 5 kg Fisch plus ein weiteres Exemplar behalten. Sind mehrere B2-Inhaber auf demselben Boot, gilt für das Boot eine Grenze von 10 kg plus einem Exemplar, egal wie viele Genehmigungen an Bord sind. Das ist nicht viel: Ein guter Vormittag auf Makrele kann die Grenze erreichen, und eine einzige ordentliche Bernsteinmakrele oder Zahnbrasse nimmt einen großen Teil davon ein.
Zusätzlich gelten Mindestmaße, festgelegt in Schedule 4 der Verordnung. Ein paar, die auf einem Boot in Gibraltar zählen:
- Bernsteinmakrele 32 cm
- Wolfsbarsch 36 cm
- Goldbrasse 32 cm
- Zahnbrasse 30 cm
- Goldmakrele (Mahi Mahi) 32 cm
Was kleiner ist, geht zurück ins Wasser. Die Crew misst an Deck, und auf einer Small-Game-Tour, wo viele Fische klein und schnell sind, geht ohnehin ein guter Teil zurück.
Ruten, Haken und das Fangbuch
Die Genehmigung begrenzt auch das Gerät. Ein Inhaber darf zwei Ruten benutzen, ein Boot insgesamt höchstens sechs, was auf einem Boot mit vier Gästen selten eng wird. An einer Leine dürfen höchstens 12 Haken sein, Kunstköder ausgenommen. Außerdem soll der Inhaber seinen Fang aufzeichnen. Auf einem Charter behält meist der Skipper im Blick, was an Bord kommt, aber die Pflicht liegt laut Verordnung beim Inhaber der Genehmigung. Es schadet also nicht, am Ende der Tour kurz zu notieren, was du behalten hast.
Roter Thun, Schwertfisch und Fische, die du nicht behalten darfst
Für manche Arten gelten eigene Regeln. Schwertfisch, Marline, Speerfische, Segelfisch, Seehecht, Adlerfisch und Hummer sind auf ein Exemplar pro Tag begrenzt, und ein Fang muss innerhalb von 30 Tagen gemeldet werden. Der Rote Thun liegt ganz außerhalb der normalen Genehmigung: Laut Verordnung muss ein beim Sportangeln gefangener Blauflossenthun freigelassen oder, wenn er tot ist, der Behörde übergeben werden. Die Thunfischsaison im Sommer läuft über eine eigene Class K licence und eine jährliche Bekanntmachung der Regierung. Die Saison 2026 endete am 14. Oktober. Termine, Quote und Anlanderegeln stehen in unserem Beitrag zur Saison für Roten Thun in Gibraltar 2026.
Bei einer Wintertour kommt davon wahrscheinlich nichts auf dich zu. Von Ende Oktober bis zum Frühjahr fängt das Small-Game-Boot Thonine, Makrelen und Grundfische wie Zahnbrasse, Snapper und Bernsteinmakrele, dazu Kalmar und Sepia.
Mit spanischem Angelschein aus Spanien herüber
Viele, die von Gibraltar aus angeln, wohnen in La Línea, Sotogrande oder weiter an der Costa del Sol, und manche haben schon einen spanischen Angelschein für das Meer. Der wird nach spanischem Recht ausgestellt und ersetzt in Gibraltars Gewässern keine Genehmigung aus Gibraltar, und umgekehrt gilt eine Genehmigung aus Gibraltar nicht auf der spanischen Seite. Wenn du eine Tour vom Felsen gegen eine aus einem spanischen Hafen abwägst, erklärt unser Beitrag zum Angelschein in Spanien, wie es dort läuft, und die Angelcharter in Marbella fischen im Winter auf dieselben Arten, ganz ohne Grenzübertritt.
Diese drei Fragen klären fast alles
Braucht jeder Erwachsene in unserer Gruppe eine befristete B2, und wie bekommen eure Gäste sie normalerweise? Was werden wir an dem Tag voraussichtlich behalten können, mit der 5-kg-Regel und den Mindestmaßen? Und bei einer Sommertour: Ist das eine Thunfischtour unter der Class K licence, und stehen die Saisontermine fest?
Schick die Fragen mit der Buchungsanfrage mit, dann kommen die Antworten, solange du noch reagieren kannst. Sagt der Kapitän die Tour wegen unsicherer Bedingungen ab, bekommst du nach unseren Stornierungsrichtlinien die volle Erstattung oder einen kostenlosen neuen Termin. Alle Boote am Felsen findest du auf einer Seite: Angelcharter in Gibraltar.

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